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Prescott,
Arizona - Livestock Auction
Diesen
Morgen begrüßte Prescott, Arizona, mich mit - Sonnenschein!
Strahlendblauer Himmel, kein Wölkchen zu sehen - herrlich!
Heute war Auktion und ich fuhr zu dem Auktiongelände
ausserhalb der Stadt. Es war weiter als ich es in Erinnerung
hatte, aber ich schaffte es noch, pünktlich um elf dort
zu sein. Die Auktion selbst war nicht so pünktlich, bis
die erste Ziege durch die Auktionsarena gejagt wurde, verging
noch eine dreiviertel Stunde - Zeit, sich ein wenig umzusehen.
In
den Korrals waren ca. 50 bis 60 Verkaufspferde und hunderte
von Rindern untergebracht. Ich versuchte, die beiden Kälber
von der Williams Ranch zu finden, aber es gab zu viele Rindviecher.
Die Pferde waren in sehr unterschiedlichem Zustand, aber überwiegend
- mal ganz offen ausgedrückt - Dogfood. Ungepflegt, total
verbaut, klapperdürr, menschenscheu. Sicherlich - aus
dem ein oder anderem konnte man noch was machen, aber der
überwiegende Teil ging an den Bieter in der rechten Ecke.
Ich konnte mir vorstellen, was er beruflich machte ...
Der
Auktionator sprach unglaublich schnell, in diesem typischen
Singsang und dann auch noch auf Englisch, ich brauchte lange,
bis ich anfing zu verstehen, was er sagte und um welche Beträge
es ging.
Es
waren viele sehr alte Pferde dabei, aufgebraucht von der Rancharbeit,
einige der klapperdürren Tiere waren vielleicht Mustangs
aus den Indianerreservaten. Es wurden nur acht oder neun Pferde
unterm Sattel angeboten, sie waren zwischen vier und sechs
Jahre alt - und gingen für einen Spottpreis an die Bieter!
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Araberhengst, 400 $
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Stute, 19 Jahre alt, 720 $
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Wallach, 21 Jahre alt, 680 $
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Die
dürren, verbauten Pferde wurden für sechs- bis siebenhundert
Dollar verhökert. Die gerittenen für acht- bis vierzehnhundert.
Eine Paintstute brachte den Rekordpreis von 2050 Dollar, die
Reiterin pries das Tier aber auch immer wieder in den höchsten
Tönen an - bis ein Rancher in die Arena rief: "Ja
- klar! Hübsch anzusehen und sehr freundlich und umgänglich,
die Stute. Aber was nutzt mir das, wenn sie sich die Beine
bricht, wenn ich mit ihr zwischen den Steinen und Kakteen
Rinder zusammentreibe?"
Eine vierjährige, registrierte Paintstute - gut gebaut
und mit freundlichem Wesen. In Deutschland über zehntausend
wert ...
Bei einigen Pferden sagte der Auktionator noch nicht einmal
das Alter an - die Anzeigetafel zeigte aber das Gewicht des
Tieres.
Mein
Favorit Nr. 2 wurde für 375 Dollar ersteigert. Das ging
zum Glück so schnell, dass ich den Preis nicht verstand.
Sonst hätte ich vierhundert gesagt.
Ein hübscher brauner Jährling wurde hereingetrieben.
Hübsch - bis man die Hufe sah. Ich hatte das bisher nur
auf Fotos gesehen und nicht für möglich gehalten,
dass so etwas in der Öffentlichkeit vorgeführt wird.
Das Pferd hatte so lange Hufe, dass sie sich nach vorne bogen
- es sah aus, als habe das arme Tier Füße wie ein
Mensch. Genauso lang! Es war ein absolute Schande. Zwei Frauen
hatten Mitleid mit dem Tier und boten - bis eine den Jährling
für fünfhundertfünfzig ersteigerte.
Bei allem Mitleid mit dem Tier - aber solche Hufe bedeuteten,
dass das Fohlen monatelang keinen Fuß vor die Stalltür
gesetzt hatte - die Beine waren hinüber, da half auch
kein Schmied mehr :-(
Kein
Einzelfall, aber ein Extremfall. Ein Pferd fußte mit
dem Hinterhuf gar nicht auf, es ging sozusagen nur auf der
Zehenspitze. Die Bieterin sah wohl nicht richtig hin, in der
kleinen Arena konnte man das Lahmen auch kaum erkennen - 750
$ legte sie für ein Tier an, das ganz offensichtlich
erhebliche Probleme mit seinem Bein hatte.
Ich
begann ein paar Fotos während der Auktion zu machen -
und wurde dafür fast aus der kleinen Halle geschmissen.
Der Auktionator sagte, auf mich deutend, am Mikrofon an, dass
es nicht erlaubt sei, Bilder zu machen - jaja, die Deutschen
Touristen ...
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Nach
ca. anderthalb Stunden waren alle Pferde verkauft, das erste
Rind wurde hereingetrieben. Schlagartig leerte sich die bis
dahin proppevolle Halle, nun waren nur noch die wirklichen
Bieter, die Viehhändler, anwesend. Ich vermisste meinen
Favorit Nr. 1, eine kleine Falbstute mit weißen Stichelhaaren.
Gut gebaut, gut ernährt, vielleicht zwei oder drei Jahre
alt, aber sehr menschenscheu. Doch offensichtlich freundlich,
sie hatte zwar Angst vor mir gehabt, als ich sie mir vor der
Auktion näher ansah, aber hatte nicht die Ohren angelegt.
Nachdem
drei Rinder versteigert worden waren, wurde die Stute hereingetrieben
- man hatte sie vergessen. Die Pferdeinteressenten waren inzwischen
alle verschwunden, es wurde also nicht lange hin und her geboten,
für 425 Dollar ging sie an den Mann in der rechten Ecke.
Das war weniger als Schlachtpreis. Ich weiß nicht, ob
ich erleichtert sein soll, dass ich so langsam reagierte -
was soll ich mit einem Pferd in Amerika? - oder super traurig.
Ich glaube eher, super traurig.
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© Texte
u. Bilder mit freundlicher Genehmigung von Heike
Wünsch-Bohl - www. waywest.de
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