LIVESTYLE - MUSIK
 

June Carter Cash - Wildwood Flower

June Carter Cash  - Wildwood FlowerMit dieser Veröffentlichung hat Blue Rose einen tiefen Griff in die amerikanische Musikgeschichte getan wie nie zuvor. Wenn jemals der heute allzu häufig verwendete Begriff "Americana" seine Berechtigung hat, dann hier! Das ist Americana in Reinkultur, das ist Country und Folk in der pursten Form, so als ob die Zeit seit einem halben Jahrhundert still gestanden hätte.

June Carter, die große alte Dame der Carter Family-Dynastie und Ehefrau von Johnny Cash, kann das Echo auf ihr allerneuestes Album leider nicht mehr miterleben. Sie ist vor wenigen Wochen, am 15.5.2003, unerwartet an den Folgen einer Herzoperation gestorben. Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sie kurz zuvor ihr musikalisches Vermächtnis fertig gestellt, die Nachfolge-CD zur famosen, mit einem Grammy belohnten Platte Press On von 1999, die jüngst in den Staaten auf Dualtone wiederveröffentlicht wurde. Press On war ein grandioses, musikalisch wertvolles Solo-Comeback, bei dem die Sängerin ihre Musik mit Altersweisheit, Würde und der gebotenen Gottesfürchtigkeit präsentierte – eine hervorragende Mischung aus alten Klassikern und neuen Kompositionen.

Vier Jahre später sind die Aufnahmen zu Wildwood Flower eher spontan in einer Phase der Schaffenskraft und mit dem absoluten Willen, nochmals ein dickes musikalisches Statement abzugeben, entstanden. Sollte June Carter hier schon geahnt haben, dass diese Studiosessions ihre letzten sein würden?! Thematisch behandelt das Album – quasi autobiografisch - die Vergangenheit: allein 9 der 13 Songs stammen aus dem reichhaltigen Carter Family-Backkatalog, die anderen sind eigene bzw. mit Johnny Cash zusammen geschriebene Stücke. So hören wir bekanntes Liedgut wie 'Keep On The Sunny Side', 'Road To Kaintuck', 'Sinking In The Lonesome Sea', 'Cannonball Blues', 'Will You Miss Me When I'm Gone?', 'Anchored In Love', 'Alcatraz' und natürlich den Titeltrack, eines der berühmtesten und erfolgreichsten Stücke des Clans, dessen Mitglieder übrigens allesamt vor June Carter gestorben sind. Sicher ein weiterer Grund für diese authentische Art der Werkschau. Der Titel 'Storms Are On The Ocean' zum Beispiel wurde bereits 1927 bei den allerersten Aufnahmen gesungen, heute können wir ihn auf Wildwood Flower wiederfinden!

Die Geschichte der Carter Family geht also bis in die 20er Jahre zurück, als das Trio um A.P. & Sara sowie Maybelle Carter, June's Mutter, in den Bergen Virginias entdeckt wurde. June Carter wurde 1939 im Alter von 10 Jahren ein volles Mitglied der musizierenden Familienbande, die über den Zweiten Weltkrieg hinweg bis in die 50er Jahre als Quartett (Mutter Maybelle Carter, June und ihre Schwestern Helen & Anita) Furore machte, unzählige Country Hits hatte und im TV und in der Grand Ole Opry gleichermaßen erfolgreich ankam. Ab 1961 waren June Carter's Leben und ihre Musik fest mit der Person Johnny Cash's verknüpft – sie nahmen zusammen Platten auf, waren permanent auf Tour und heirateten 1968, halfen sich gegenseitig in einer wechselvollen, spannenden Ära über die folgenden Dekaden.

Mit Wildwood Flower tritt die Frau, die sich stets im Hintergrund am wohlsten fühlte, nochmals ganz stark ins Rampenlicht. Trotz einer betagten, brüchigen Stimme versprüht June Carter Cash Lebensfreude und einen gewissen Alterscharme, singt mit einer fast fühlbaren Leidenschaft und wird mit ihrer Umgebung völlig eins. Die Recordings fanden auf ihren Wunsch hin zum größten Teil in einem geschichtsträchtigen Anwesen der Carter Family statt, dem Haus, in dem Mutter Maybelle ihre Kindheit verbracht hatte! Und praktisch alle, die in einem engeren Verwandtschaftsverhältnis zu ihr standen, waren eingeladen, dabei mitzusingen: ihre Tochter aus erster Ehe, die bekannte Carlene Carter, dazu Joe & Janette Carter, Kinder von A.P. & Sara, deren Enkelkinder und die eigene künftige Schwiegertochter, Laura Cash, eine enorm talentierte Instrumentalistin. Ihre Allernächsten nehmen auf Wildwood Flower wirklich exponierte Aufgaben wahr: nämlich Johnny Cash höchstpersönlich, der auf allein 7 Songs mit seiner Frau im Duett singt und ihr einziger gemeinsamer Sohn, John Carter Cash, der diese Sessions produziert und die einzelnen Teile zu einem großen Gesamtwerk zusammengefügt hat. Die wenigen Begleitmusiker sind vertraute Cracks, die eigentlich seit vielen Jahren zum engsten Freundeskreis zählen: Norman Blake (Acoustic Guitar) und seine Frau Nancy (Cello), Marty Stuart (Mandoline, Gesang), Dennis Crouch (Bass) sowie die schon erwähnte Laura Cash (Fiddle, Acoustic Guitar, Harmony Vocals) bilden eine wunderbar harmonierende Backing Band, die sich auch als genau das versteht. Johnny's Tochter Rosanne Cash hat übrigens sehr viele warme Worte für die Liner Notes gefunden.

'Will You Miss Me When I'm Gone?'. Ja, und das weitaus mehr, als es vor Wildwood Flower zu vermuten gewesen wäre! Allerdings wünschte man sich, June Carter Cash hätte die verdiente Anerkennung für diese außergewöhnliche "Family Affair" noch zu Lebzeiten in gleichem Maße erfahren dürfen.

Tracks:
1. Keep On The Sunny Side (2:44)
2. The Road To Kaintuck (2:53)
3. (Carter Girls Intro) Kneeling Drunkyard's Plea (3:27)
4. Storms Are On The Ocean (3:24)
5. (Little Junie Intro) Temptation (2:26)
6. Big Yellow Peaches (3:24)
7. Alvatraz (3:35)
8. Sinking In The Lonesome Sea (4:40)
9. Church In The Wildwood / Lonesome Valley (3:24)
10. Cannonball Blues (3:00)
11. Will You Miss Me When I'm Gone? (3:52)
12. Anchored In Love (2:53)
13. Wildwood Flower (4:24)
 

Blue Rose Recors

Die CD erhalten Sie hier

© Texte u. Bilder mit freundlicher Genehmigung von BLUE ROSE RECORDS, Herr Heckmann

 

Indian Summer Indian Summer
Bluegrass, Country und Old-West-Sound
mit Banjo, Bass und Slide-Guitar.

Bunt wie die Farbenvielfalt eines Herbstwaldes präsentiert sich auch das Programm des Trios aus dem Ruhrland: Einflüsse aus den Bereichen Bluegrass und Old Time, sowie der Songstertradition der
Afro-Amerikaner verschmelzen zu traditionsbewusster
aber lebendiger Americana Musik.

Um es mit Hank Williams zu sagen:
"…Tonight We'r Settin´ the Woods on Fire"

Indian Summer, macht Musik die von Herzen kommt - ehrlich und direkt.

Norbert Denninghaus "The Banjoman", seit den Anfängen der Dortmunder Folkszene in den 70er Jahren unumstritten die Nummer 1 auf dem 5-string Banjo, kennt, lebt und liebt die ursprüngliche Countrymusik, spielte in unzähligen Formationen, jahrelanger Aufenthalt in den USA/Texas, derzeit Mitglied beim Trio "Duelin´ Banjos" und der sechköpfigen Band "Sunnysiders"

Kontakt: Ulf Schrader, 0231/1206586, ulfschrader@web.de