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Pferdeosteopathie,
Bericht Birgit Hettgen Diplom-Pferdeosteopathin
Geschichte der Osteopathie
Der
Begründer der Osteopathie Andrew Tailor Still wurde am 6 August
1828 in Virginia geboren. Als Sohn eines Arztes fängt er 1852 an,
in der Praxis seines Vaters mit zu arbeiten. 1885: das vermutliche
Datum an dem A. T. Still das erste mal das Wort Osteopathie vorstellte
Aber was bedeutet dieses Wort eigentlich?
Der Ursprung dieses Wortes geht zurück auf die griechischen Wörter:
Osteon = Knochen; und pathos = Einkommende Impression
Der Einfluß von dem Skelett (Knochen) in Relation zu der Krankheit,
die Ursache und Genesung derer.
Dies bedeutet: Osteopathie ist die Behandlung durch die Knochen
als Spiegel ersichtliche Krankheiten anzugehen.
1892 wurde die „American school af Osteopathie“ in Kirksville, Missouri
gegründet.
Damit man sich ein Bild davon machen kann, wie alt die Osteopathie
eigentlich schon ist, hier ein paar Vergleichsdaten:
1895 Entdeckung der x-rays (Röntgenstrahlen)
1895 Entdeckung der Chiropraxis durch Daniel David Palmer
1899 Einführung von Aspirin in die Therapie
1900 Entdeckung der Blutgruppen
1904 gab es in den USA schon an die 4.000 Osteopathen D.O. (Diploma
of Osteopathie). Bis zum Jahr 2000 gab es in den USA ungefähr 40.000
registrierte Osteopathen. 1970 entwickelte der französische Tierarzt
Dr. Dominique Giniaux die Pferdeosteopathie.
Ich erkläre jetzt die osteopathische Medizin etwas genauer, damit
sich jeder etwas darunter vorstellen kann.
Die osteopathische Medizin ist eine Wissenschaft, eine Kunst und
eine Philosophie der Gesundheitspflege. Sie stütz sich auf die sich
immer weiter entwickelnden wissenschaftlichen Kenntnisse.
Das osteopathische Konzept beinhaltet folgende Prinzipien:
- Der Körper neigt über ein komplexes Gleichgewichtssystem dazu,
seinen Körper selbstregulierend wieder zu heilen. Ziel der Pferdeosteopathie
ist es, diesen Prozess in Gang zu setzen.
- Das Pferd funktioniert nur in seiner Einheit. Alles ist gegenseitig
voneinander abhängig. Jede Struktur (z. B. Kugelgelenk) ist für
eine bestimmte Funktion (z. B. Rollbewegung) zuständig.
- Eine gute Funktion im Blut- und Lymphkereislauf ist wichtig, damit
Gelenke, Organe und Zellen auch gut versorgt werden. Trifft dies
nicht mehr zu, wird das Pferd krank.
- Die Philosophie bei der Pferdeosteopathie ist, diese Prinzipien
bei der Behandlung zu berücksichtigen, und durch manuelle Techniken
(mit den Händen), Struktur und Funktion wieder ins Gleichgewicht
zu bringen und den Selbstheilungsprozess in Gang zu setzen.
Aber
wie kann es überhaupt zu einer osteopathischen Störung (Dysfunktion)
kommen?
Die Dysfunktionen kann man unterteilen in:
1. Die Primärdysfunktion
Sie entsteht immer durch eine Einwirkung von außen, die z. B. durch
ein Trauma (Unfall) bedingt ist. Es ist nur eine Stelle am Pferd
betroffen.
2. Die Sekundärdysfunktion
Diese entstehen wenn man eine Primärdysfunktion nicht beachtet.
Kompensatorisch bauen sich dann weitere Dysfunktionen auf. Hier
sind jetzt mehrere Bereiche am Pferd betroffen.
Zur Verdeutlichung hier ein Beispiel: Mein Pferd tritt beim Reiten
in ein Loch, und zerrt sich die tiefe Beugesehne am linken Vorderbein.
Durch eine reflektorische Anspannung wird das os pisiforme (auch
Erbsenbein genannt, es gehört zu den Knochen am Karpalgelenk) in
eine Dysfunktionsstellung gezogen.
(Dies bedeutet, das es in eine bestimmte Bewegungsrichtung nicht
mehr so gut funktioniert). Jetzt hat das Pferd durch einen quasi
Unfall eine Primärdysfunktion an seinem Karpalgelenk.
Es gibt jetzt für mich mehrere Möglichkeiten:
1. Ich merke sofort, daß mit meinem Pferd etwas nicht stimmt und
gönne ihm ein paar Tage Ruhe, und habe somit eine sehr gute Chance,
daß sich das betroffene Gebiet wieder erholt, und die Anspannung
wieder locker lassen kann. Jetzt hat sich mein Pferd selbstheilend
reguliert.
2. Ich merke sofort, daß mit meinem Pferd etwas nicht stimmt und
gönne ihm etwas Ruhe. Die Ruhe ist aber nicht lang genug, und ich
reite mein Pferd wieder, weil ich keine Lahmheit mehr erkennen kann.
Da mein Pferd auf vier Beinen steht muß man schon ein sehr geschultes
Auge haben, um den kleinsten Taktfehler
erkennen zu können. Mein Pferd kompensiert seine Störung über die
restlichen Gelenke des Körpers. Im laufe der Zeit kommt es an anderen
Gelenken zu Sekundärdysfunktionen, da diese ständig minimal gereizt
werden. Zuerst entstehen sie im gesamten linken Vorderbein, dann
vielleicht diagonal am rechten Hinterbein und danach vielleicht
im gesamten Rücken. Zu gute letzt entsteht vielleicht eine Dysfunktion
in der Halswirbelsäule. Die Rittigkeit meines Pferdes wird immer
schlechter und steifer. Es können sich also auf die eine Primärdysfunktion
noch viele weitere Sekundärdysfunktionen bilden.
3. Ich reite mein Pferd einfach sofort weiter, da ich der Meinung
bin, daß sich das wieder einläuft. Jetzt kann sich Punkt 2 sofort
einstellen. Zusätzlich ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, daß
die tiefe Beugesehne sich verdickt und entzündet.
Das Wichtige bei einer Behandlung an einem Pferd ist es, die Primärdysfunktion
zu bestimmen, und sie zu beheben. Wenn z. B. das Trauma schon länger
zurück liegt, was in den meisten Fällen vorkommt, haben sich Sekundärdysfunktionen
gebildet, die auch noch behandelt werden müssen. Aber das Schöne
bei einer Behandlung ist, daß die meisten Pferde sehr schnell merken,
daß man ihnen helfen will, und dann ganz ruhig stehen, damit sie
so gut wie möglich mithelfen können. Leider ist es oft so, daß man
es als Pferdebesitzer nicht mitbekommt, wenn sich sein Pferd eine
Störung zuzieht. Es passiert auf der Weide oder in der Box (z. B.
Ausrutschen). Das Auge ist auch nicht so geschult, um die kleinste
Unstimmigkeit sofort zu sehen und sie entsprechend zu behandeln.
So kommt es, daß man erst dann etwas sieht, wenn sich schon mehrere
Dysfunktionen gebildet haben. Es kommt leider auch
vor, daß der Sattel nicht richtig passt, der Reiter eine starke
Seite hat, die Zähne nicht in Ordnung oder die Hufe zu lang sind,
usw. Auch Fehler in der Fütterung können zu Störungen der Verdauungsorgane
führen. Die man wiederum an den Gelenken erkenne kann. Die Organe
sind ja irgendwo am Skelett befestigt und fallen ja nicht frei im
Körper hin und her. Wenn sie nicht mehr richtig funktionieren gibt
das einen Stress an dem dazugehörigen Wirbel, der dann eine Dysfunktion
bildet. Diese Dysfunktionen passieren nicht, weil einem sein Pferd
gleichgültig ist, sondern aus Unwissenheit und Gutgläubigkeit.
Ich möchte nicht vergessen zu erwähnen, daß ein Pferdeosteopath
nur in Übereinkunft und Ergänzung mit dem Tierarzt, dem Tierheipraktiker,
und im gegenseitigen Einverständnis mit dem Hufschmied, dem Zahnarzt
und dem Reiter/Besitzer ein Pferd optimal behandeln kann.
Denn das Wohl unserer Pferde sollte immer an erster Stelle stehen.
In den nächsten Ausgaben können sie anhand vieler Beispiele ein
genaueres Bild von der Pferdeosteopathie und ihrer Behandlung bekommen.
Damit sie besser entscheiden können, wann ein Pferdeosteopath gerufen
werden sollte.

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