SATTELKAUF
   

Gedanken zum Kauf eines Westernsattels

Dass ein Sattel dem Pferd und auch dem Reiter passen muss, versteht sich von selbst, denn was nutzt uns das beste Gestühl, wenn es nicht passt.

Wade-Tree  Buckaroo mit Bucking-RollsEs gibt eine Menge toll aussehender Sättel, mit klangvollen Namen von Top-Reinern, Namen von ganzen Pferdeorganisationen oder Saddle-Maker. Sie alle haben eins gemeinsam, sie sollen durch diese Attribute auf sich aufmerksam machen und damit Kunden werben. Ich will damit diesen "Markenartikeln" nicht eine mangelhafte Qualität unterstellen; es gibt mit Sicherheit auch hervorragende Produkte darunter. Ich möchte damit nur sagen, dass man dadurch nicht die kritische Prüfung des Teils, das man erwerben möchte vernachlässigt oder gar mit diesem Namen eine Qualitätsbewertung verbindet.

Worauf sollte nun geachtet werden?

Der Sattel sollte im ganzen gesehen auf den ersten Blick schon mal die persönliche Zuneigung finden.

Sonst brauchen wir erst gar nicht ins Detail zu gehen.

Erfahrungsgemäss ist der erste Kontakt, den man mit dem Sattel schließt, die Berührung des Hornes. Das Horn soll stabil wirken und Halt garantieren. Also sollte man es ruhig beherzt in die Hand nehmen und kräftig hin und her biegen. Die Hornkappe sollte sich dabei unter keinen Umständen verdrehen oder bewegen lassen. Sollte das der Fall sein, so ist das ein Anzeichen dafür, dass das Horn nicht Schritt für Schritt aufgebaut worden ist, sondern in bereits fertigem Zustand einfach nur übergestülpt wurde und dann nur noch die Flügel befestigt wurden. Leider merkt man so etwas aber oft erst nach einiger Zeit, wenn sich der Klebstoff gelöst bzw. seine Klebekraft verloren hat. Ein weiteres Merkmal für so ein Horn ist eine besonders von der Unterseite zu erkennende makellose Nähmaschinennaht. Hier sollte genau wie am Cantle eine Handnaht angebracht sein, die oftmals an der Unterseite Unregelmäßigkeiten aufweist. Eine vernünftige Sattlernaht sollte fünf Stiche pro Inch, also auf einer Länge von 2,54 cm aufweisen. (4 Stiche lasse ich zur Not auch noch durchgehen).

Bevor ich mich dem Cantle zuwende, taste ich den Forkbezug ab, indem ich den Bereich um das Horn herum mit dem Daumen abdrücke. Das Leder sollte fest an der Fork anliegen und nicht etwa hohl liegen. Auch das wäre ein Zeichen dafür, dass der gesamte Sattel nicht mit der notwendigen Sorgfalt verarbeitet worden ist.

So, nun haben wir festgestellt, dass der Fork-Cover überall schön fest anliegt (oder auch nicht). Jetzt versuchen wir mal von unten in das Gullet (das ist der Tunnel über dem Widerrist) zu blicken. Wir werden feststellen, dass dort der hintere Rand des Fork-Covers befestigt ist. Hier sollten sich ausnahmslos Nägel befinden und nicht etwa die von den Amis gern benutzten Staples, das sind Nagelklammern, die sehr einfach mit einem Elektro-Nagler hineingeschossen werden. Diese Nagelklammern zerschneiden, insbesondere wenn sie langsam anfangen zu rosten, das Leder. Wenn hier also diese Nagelklammern vorhanden sind, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der ganze Sattel mit diesen Klammern bearbeitet wurde. Erfahrungsgemäß sind dann mindestens ein Pfund dieser Klammern vorhanden und suchen sich dann nach einigen Jahren oftmals an der Fellseite der Skirts ihren Weg ins Freie. Das wiederum veranlasst so ein leidgeplagtes Pferd zu Bocksprüngen. (Verständlicherweise nicht aus purer Freude und Übermut) Deshalb ist es auch angebracht von Zeit zu Zeit mit der flachen Hand die Unterseite der Skirts nach solchen Ungetümen abzusuchen. Ich habe auch schon öfters erlebt, dass sogar die Riggings nur mit solchen Klammern anstelle von Schrauben und Nägeln befestigt waren. Das ist schon fast mit einem Mordversuch gleichzusetzen, denn bekanntlich hängt an der Rigging noch ein bisschen mehr als nur der Sattelgurt. Nämlich u. U. auch das eigene Leben.

Nun widmen wir unsere Aufmerksamkeit dem Cantle, also der Begrenzung nach hinten.

Sollte der Sattel eine sogenannte Cheyenne-Roll besitzen, sollte diese möglichst fest und unbeweglich sein. Also auch hier mal einen beherzten Griff einsetzen und mal kräftig auf und nieder bewegen (wollen). Am besten macht man das, wenn der Händler Lee Robinson-Tree mit Egg-Horn und metallloser In skirt-Riggingmal kurz abgelenkt wird, denn verständlicherweise haben viele etwas dagegen, wenn ihr vielgepriesener Sattel mal richtig durchgewalkt wird.

Die Vernähung sollte wie schon beim Horn erwähnt im Idealfall 5 Stiche per Inch betragen.

Von unten (also von der Rückseite) werden bei einer Handnaht immer leichte Unregelmäßigkeiten erkennbar sein. Wenn nicht, könnte es eine Maschinennaht sein, die in diesem Bereich normalerweise nichts zu suchen hat.

Das gleiche gilt auch bei einem "Straight-Cantle", also einem Cantle ohne Cheyenne-Roll. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass wenn der Sattler sein Handwerk versteht, auch die Rückseite der Naht makellos sein sollte.

Nun betrachten wir uns noch die Sattelohren (Ears) der Sitzfläche, unten links und rechts des Cantles, die möglicht ohne Spalt die Cantlebinding (Einfassung ) umfassen sollen.

Die Sitzfläche selbst soll natürlich keine Unebenheiten aufweisen, die uns ein Cellulite-Muster auf den Hintern prägen könnte.

Die Backhousing (Abdeckung hinter dem Cantle) sollte flach und eng, d.h. ohne Zwischenraum die Skirts abdecken und vor Staub und Schmutz schützen.

Die Rigging sollte ordentlich vernietet sein und sich beiderseits absolut auf gleicher Höhe befinden.

Wenn die Fender im unteren Teil eingerollt sind, so dass sie immer in Reitrichtung stehen, sollten wir uns über solch ein Gimmick freuen, leider findet man solche Sachen aber oft nur bei "Custommade-Sätteln". Wir sehen uns noch die Rückseite der Fender an, denn dort können wir uns ein Bild über die Lederqualität machen. Das Leder soll fest und kurzfaserig sein. Langfaseriges Leder ist meistens labberiges Leder aus der Bauchregion und sollte allenfalls Verwendung für die Fork oder Cantlerückseite finden, denn dort ist gut formbares Leder angebracht.

Die Steigbügel sollten nicht zu leicht sein und ebenfalls einen massiven Eindruck machen. Was letztendlich in ihrem Inneren verarbeitet ist, lässt sich nicht so ohne weiteres feststellen.

So, wenn das alles o.k. ist, muss der Sattel nur noch auf Euer Pferd passen und natürlich auch Euerer "Backside" entsprechen.

Übrigens, ich weiß welche Sättel diese Voraussetzungen in allen Punkten erfüllen: DW-Westernsättel!

Kleine Bildgalerie

Custommade Reining Saddle   Bob Crosby-Saddle-Tree mit 16" Seat

Custommade Reining Saddle

Bob Crosby Tree, 16" padded Seat, 7/8 Flat Plate in Skirt-Rigging. Basket Stamp, Rop Edge-Einfassung an Skirts, Gullet, Horn und Cantle

Bob Crosby-Saddle-Tree mit 16" Seat

7/8-Inskirt-Rigging und Basket-Flower-Punzierung. Zusätzliche Rohhaut-Einfassung an Horn, Fork, Cantle und Skirts.

     
Bob Crosby-Saddle Tree, 16"-Seat, SQH-Bars   Reining Saddle auf "Bob Crosby" Basis

Bob Crosby-Saddle Tree, 16"-Seat, SQH-Bars

7/8-Flat Plate-Rigging on Skirts.
Rohhauteinfassung an Forkrim, Cantle und Skirts; eingeflochtenes Horn.
Full-Flower-Stamp
OxBow-Stirrups

 

Reining Saddle auf "Bob Crosby" Basis

16" Plain-Seat mit 7/8 Inskirt-Rigging.
Flower-Stamp und Silver-Mounting. Und natürlich, wie bei allen guten Sätteln, echtes Lammfell unter den Skirts

     
"Buckaroo" mit Loop-Seat und Basket-Punzierung    

"Buckaroo" mit Loop-Seat und Basket-Punzierung

Tree: Oldstyle Visalia, 16"-Seat
Bars: QH; North West Bars
Rigging: 7/8" Flat Plate on Skirt
Rohhaut an Horn, Fork und Cantle
Horn 12-fach in Rohhaut geflochten
Mexican-Weave an Forkrückseite, Backjockey und Steigbügeln

   

© Text u. Bilder mit freundlicher Genehmigung von Detlef Wilhelm, DW-SADDLERY