<
         
         
         
         
       
         
         
    PFERDEZAHNGESUNDHEIT UND PFERDEZAHNBEHANDLUNG
   
Pferdedentalpraktiker Was ist das? Hinweise auf mögliche Zahnprobleme
Vorsorge
Pferdezahnbehandlung Gestern u. Heute Zahnerkrankungen

Ernährung

Ursachen für Pferdezahnerkrankungen

Mögliche Rittigkeitsprobleme

Anatomie/ Physioligie
Die Wolfszähne

Pferdedentalpraktiker

Pferdedentalpraktikerin bei Ihrer Arbeit„Pferdedentalpraktiker“, "Pferdedentist", bzw. "Pferdezahnpfleger" haben in Deutschland noch keine anerkannten Berufsbezeichnungen. Daher fällt in Deutschland die Pferdezahnpflege meist noch in den Bereich des Tierarztes.
Da im veterinärmedizinischem Studium der Bereich der Pferdezähne nur ein sehr kleines Thema ist, ist hierfür eine separate Zusatzausbildung erforderlich, die nicht automatisch jeder Tierarzt macht.

Deutschland befindet sich in Sachen Pferdezähne und Pferdezahnpflege weltweit auf einem der letzten Plätze! Eine professionelle Ausbildung in Theorie und Praxis ist derzeit nur im Ausland (vorzugsweise USA und Kanada) möglich. Solch eine Ausbildung ist für eine professionelle Zahnbehandlung allerdings absolut notwendig.

Dagegen ist man in Kanada und den USA wesentlich weiter. Sowohl im Fachbereich der Gesunderhaltung der Pferdezähne, als auch auf dem Gebiet der Ausbildung und Anerkennung.

In Amerika ausgebildete „Horse-Dentists“, das sind Tierärzte und Nicht-Tierärzte, haben sich ausschließlich auf dem Gebiet der Pferdezähne ausbilden lassen und spezialisiert. Ein Studium der Veterinärmedizin ist keine Voraussetzung um als Pferdedentist praktizieren zu dürfen.

Sie sollten sie sich nicht scheuen nachzufragen ob und wo ihr Tierarzt oder Pferdedentist sein Handwerk gelernt hat! Nur dann können sie sicher sein, dass sich ihr Pferd in professionellen Händen befindet. Denn Zähne raspeln, ist nicht gleich Zähne raspeln!

Weitere wertvolle Informationen und Adressen über seriöse und qualifizierte Pferde-Dental-Praktiker erhalten sie auf der Homepage der IGFP e.V

Zurück zur Themenauswahl

Zahnbehandlungen sind kein "neumodischer Kram" !

In den letzten Jahren hat die Pferdezahnheilkunde eine große Renaissance erfahren. Was lange vernachlässigt wurde, wird heute wieder intensiv bearbeitet und auch gepflegt. Dabei werden selten neue Sachen entdeckt, sondern altbekannte Tatsachen wieder ausgegraben.

Schon im 12. Jahrhundert findet man im arabischen Schrifttum Angaben über die korrekte Zahnbehandlung beim Pferd!
In Deutschland befasste man sich ab dem 17. Jahrhundert ausführlich mit den Zähnen des Pferdes, wobei sich die Zahnbehandlungen auf das Abschleifen von Spitzen und Haken beschänkten und meistens auch von Hufschmieden durchgeführt wurden. Erst im 19. Jahrhundert wurde dann das Ausstempeln von Zähnen über eine sog. Trepanation (punktuelle Eröffnung des Kopfknochens über dem betroffenen Zahn) genauer beschrieben. Herr Forssell beschieb 1922 ausführlich die Bedeutung der Karies beim Pferd und es wurden schon erste Therapieansätze vorgestellt.

In den dreißiger und vierziger Jahren wurden die Zahnanatomie, -physiologie, sowie verschiedene Zahnerkrankungen und -behandlungen ausführlich erforscht und auch beschrieben. Es war dann im deutschsprachigem Raum Dr. Becker, der die Grundlage für eine rationelle Zahnbehandlung beim Pferd gelegt hat. Auch zur Therapie von selteneren Zahnerkrankungen findet man in der alten Literatur viele Angaben.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die fahrbare Zahnstation in weiten Teilen des Landes eingesetzt. Leider haben die hohen Kosten dieser Einrichtung zusammen mit dem starken Rückgang der Pferdehaltung dazu geführt, dass diese Zahnstation in Vergessenheit geriet. Stattdessen wurden sogenannte Kleingeräte entwickelt. So sind auch die verschiedenen Zahngeräte keine Erfindung der Neuzeit, denn schon 1954 wurden von Dr. Becker die Vorund Nachteile eines Kleingerätes für die Zahnbehandlung beschrieben. Viele verschiedene Aufsätze, eine integrierte Wasserdüse zum Kühlen und andere Raffinessen haben die Zahnbehandlungen schon damals deutlich erleichtert.

Aus fast unerklärlichen Gründen wurden die großen Arbeiten vergessen oder in den hintersten Schubladen verstaut. Glücklicherweise gehört heute die Zeit der Vernachlässigung des Pferdemauls wieder der Vergangenheit an. Unzählige Arbeiten sind in den letzten Jahren in bekannten Fachzeitschriften veröffentlicht worden. Viele Kongresse im Inund Ausland wurden veranstaltet, auf denen die Zahnprobleme der Pferde erörtert wurden,
und auch in der täglichen Arbeit nimmt die Zahnbehandlung endlich wieder eine wichtige Rolle ein!


"Wenn Hufpflege und Hufbeschlag aus der Notwendigkeit entstanden, die Arbeitsfähigkeit des Pferdes durch das Gesunderhalten der Hufe zu sichern, so ist es in Zukunft die Aufgabe der ebenso wichtigen Zahnpflege, die Voraussetzungen zu schaffen, dass das Pferd trotz der unvermeidbaren naturwidrigen Ernährung zu höchster Auswertung der im Futter enthaltenen Energien befähigt wird." (Dr. E. Becker, 1943)

Zurück zur Themenauswahl

Ursachen für Zahnprobleme

Um die Zahnprobleme unserer Pferde zu verstehen, muß man einen weiten Schritt zurück in der Entwicklungsgeschichte der Pferde gehen. Denn unsere Pferde sind im Laufe der Evolution zu Steppentieren geworden, die 16 Stunden am Tag grasen. Grasen bedeutet dabei das ständige Abrupfen des sehr harten, energiearmen Steppengrases.

Die Zähne unserer Pferde sind noch heute an jene Bedingungen angepaßt, denn Evolution geht über Jahrtausende und eine Anpassung an veränderte Lebensbedingungen dauert entsprechend lange.

In der modernen Pferdehaltung gibt es aber kein hartes Steppengras mehr, sondern bestenfalls weiches, silikatarmes Weidegras und das meist nicht 16 Stunden täglich. Das hat zur Folge, dass die ständig nachschiebenden Schneidezähne (1-3 mm pro Jahr) nicht genügend abnutzen und auf Dauer ein normales Kauen (mahlen) verhindern und es dadurch oft zu schmerzhaften Veränderungen im Kiefergelenk kommt, was dann wiederum zu Rittigkeitsproblemen führen kann.

Außerdem kann die Fütterung ganzer Körner, wie Hafer, Mais, Gerste und Pellets zu einer unnatürlichen Abnutzung der Backenzähne führen, denn solches Futter fand das Steppentier Pferd üblicherweise auch nicht. Das Pferd versucht nun, die relativ kleinen Körner (verglichen mit langen Grashalmen) auf der Kaufläche der Backenzähne zu halten und schränkt dadurch die Mahlbewegung deutlich ein, was die Entstehung scharfer Kanten am Oberkiefer zur Backe hin und am Unterkiefer zur Zunge hin, begünstigt (Fotos links und unten). Mit der Zeit werden diese Kanten immer größer und schärfer, verletzen die Backenschleimhaut (wickelkauen) und die Zunge und schränken die seitliche Mahlbewegung ein.

Zurück zur Themenauswahl

Anatomie/ Physiologie

Pferdezähne bestehen aus mehreren Lagen von Zement, Schmelz und Dentin und der Pulpa. Die Pulpa enthält die Blutgefäße und Nerven und sitzt sehr tief im Zahn. Die Pferdezähne wachsen das ganze lange Pferdeleben. Deshalb ist der Zahn so aufgebaut das er sich beim Mahlen unterschiedlich stark abnutzt. Das muss auch so sein, denn sonst könnte das Pferd in seiner mahlenden Seitwärtsbewegung das harte Rau –und Kraftfutter nicht zermahlen. Ausgewachsene Pferde verfügen über 36 bis 44 Zähne. Die Schneidezähne (Insisivi – I), die Hengst –oder Hakenzähne (Canini – C), Wolfszähne (siehe Wolfszähne), die vorderen drei der sechs Backenzähne haben Milchzahnvorläufer (Prämolaren P) das Pferd wird damit geboren. Und die bleibenden Backenzähne (Molaren – M), das sind die hinteren drei der sechs Backenzähne. Ihr Durchbruch erfolgt nach und nach, wenn der Kopf des jungen Pferdes länger wird.

Die Schneidezähne sind zum Festhalten und Schneiden von Nahrung da. Die Hakenzähne gelten dem Angriff und der Abwehr. Die Backenzähne (Prämolaren und Molaren) sind zum Zermahlen der Nahrung bestimmt. Daher auch der Begriff Mahlzähne.

Der Bereich der Backenzähne auf dem die Nahrung zermahlen wird, also oben drauf, bezeichnen wir als Okklusionsfläche.
Wenn der Dentist sagt, das Pferd hat keine Okklusion, dann bedeutet dies, dass die oberen und unteren Backenzähne keinen Kontakt mehr haben.

Das Pferdegebiss besteht aus 12 Schneidezähnen und 24 Backenzähnen.
Hengste und Wallache (und auch einige Stuten) besitzen auch noch Hakenbzw. Hengstzähne, 2 oben und 2 unten. Bei Stuten sind sie im Allgemeinen kleiner und oft sind nicht alle 4 anwesend oder auch blind (direkt unter der Schleimhaut).
Viele Pferde besitzen auch noch die Wolfszähne.

Zurück zur Themenauswahl

© Texte u. Bilder mit freundlicher Genehmigung von Angela Cavazzini, Pferdedentalpraktikerin nach IGFP und Tierheilpraktikerin